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LIEBT-MICH-MEIN-HUND - Hundeschule Ritz – Hundetraining & Verhaltensberatung in Euskirchen<br />

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Liebt mich mein Hund? – Ein Essay über Nähe und Wahrnehmung.

Wenn Du Dich fragst, ob in diesem oder in jenem Moment die Liebe anwesend ist, so müsstest Du Dich wohl ebenso fragen, ob in einem bestimmten Moment die Luft, die Dich atmen lässt, anwesend ist. Nur in wenigen Augenblicken machst Du sie Dir bewusst, etwa dann, wenn Du Dich auf Deine Atmung konzentrierst, Du langsam ein‑ und wieder ausatmest.

In anderen Momenten macht sie sich Dir bewusst, etwa dann, wenn sie als Wind sanft über Deine Haut streicht oder sie Dir als Sturm Dein Haar zerzaust. In vielen Momenten, den allermeisten sogar, wirst Du sie überhaupt nicht bemerken.

Selbstverständlich transportiert sie aber auch in diesen Momenten den lebensnotwendigen Sauerstoff zu Dir, damit Du Dich derweil mit den zahlreichen wichtigen Aufgaben Deines Alltags beschäftigen kannst.

Egal, ob die Liebe, so wie Du sie gerade erlebst, nun einem Sturm gleicht oder sie nur unbemerkt den lebensnotwendigen Sauerstoff zu Dir transportiert, sie ist ohne Zweifel doch stets anwesend. Ich weiß nicht, ob Du die Liebe in dem ein oder anderen Moment wahrnehmen kannst und ob die Gestalt, in der sie Dir gerade begegnet, die ist, die Du in diesem Moment gerade erwartest; wir alle machen uns nämlich bestimmte Vorstellungen von der Liebe, erinnern uns an bestimmte Momente in unserem Leben, an Romane, an Filme und Geschichten. Je konkreter unsere Vorstellungen – im Wesentlichen darauf basierend – nun allerdings geworden sind, umso leichter werden wir sie, in den uns eher unbekannteren Momenten und in einer uns unbekannteren Gestalt, regelmäßig übersehen.

Im Zusammenleben mit dem uns in vielen Bereichen weniger vertrauten Tier wird es also umso häufiger vorkommen, dass wir die Liebe nicht erkennen, weil sie nicht den uns vertrauten Vorstellungen, dem Bild, das wir uns von ihr gemacht haben, entspricht.

Stell Dir die folgende Situation vor. Jemand bittet Dich, ihm bei der Suche nach einem verlorenen Gegenstand auf einer saftig grünen Wiese mit hohem Gras und voller bunter Blumen behilflich zu sein. Den Gegenstand, um den es hier gehen soll, kennst Du jedoch nicht, seinen Namen hast Du noch nie zuvor gehört und er wurde Dir nur kurz seinem Aussehen nach beschrieben. Hilfsbereit, wie Du nun einmal bist, wirst Du aber sofort voller Ehrgeiz mit der Suche beginnen. Du läufst voller Motivation los, kreuz und quer über die Blumenwiese. Dabei wirst Du, vollständig auf die gestellte Aufgabe konzentriert, die allermeisten Blumen um Dich herum, die Form ihrer Blüten und Farben, gar nicht mehr bemerken.

Du läufst um sie herum und manchmal, im Eifer Deiner Suche, wirst Du sie sogar unbemerkt zertreten. Mit jedem Deiner Schritte zwingst Du die langen Grashalme dazu, sich wie ein Schilfdach schützend über den Boden zu legen, um nach und nach immer mehr Fläche vor Deinem suchenden Blick zu verbergen. Du wirst Dich also umso verzweifelter bemühen, keinen Quadratzentimeter der Fläche zu übersehen, wohlwissend, dass, je länger Deine Suche andauert, Deine Chancen immer weiter sinken.

Aber dann, irgendwann nach langer Mühe, findest Du tatsächlich einen Gegenstand, der so aussieht, wie Du ihn Dir nach der Beschreibung des Fremden vorgestellt hast. Deine Freude und Deine Euphorie sind zunächst unbeschreiblich groß, Du hebst den Gegenstand auf und trägst ihn ohne Umschweife zu der fremden Person, die schon ungeduldig auf Dich zu warten scheint. Auf dem Weg zurück werden die Zweifel in Dir dann aber immer lauter, ob dieser Gegenstand tatsächlich der Gesuchte ist und ob Du die Erwartungen des Fremden damit erfüllen kannst. Wieder am Ausgangspunkt Deiner Suche angekommen, teilt Dir der Fremde dann ohne Dankbarkeit und nur mit knappen Worten mit, dass der gefundene Gegenstand leider nicht der Gesuchte sei. Alle Mühe war umsonst. Deine Anstrengung wird schnell in Erschöpfung münden und Deine ganze Motivation, Dein Antrieb, die Wiese nochmals zu betreten, wird gegen Null herabsinken.

In diesem Beispiel repräsentieren die Blumen die Liebe in verschiedensten Ausprägungen und der Gegenstand Deine Vorstellung, die Du Dir von ihr gemacht hast. Der Fremde bist Du selbst, genauer Deine Erwartung, die Du an Dich selber richtest und die am Ende oftmals umso bitterlicher enttäuscht werden muss, je mehr Hoffnung Du zuvor in ihre Erfüllung gelegt hast.

Unsere Hunde sind uns in dieser Hinsicht weit überlegen. Sie machen sich weniger eine konkrete Vorstellung der Dinge, sondern fühlen den Moment. Sie hätten sich auf der Suche nach dem verlorenen Gegenstand zumeist ablenken lassen, von einem tollen Geruch, einem Schmetterling, einem Loch in der Erde. Nach kurzer Zeit hätten sie die eigentliche Aufgabe vermutlich bereits vergessen gehabt.

Sie hätten sich in ihren Dingen verloren und wären am Ende voller Befriedigung zurückgekehrt, nach einer kurzen Phase der Erholung dann ohne Mühe abermals in der Lage, die Wiese voller Motivation zu durchqueren und sich all den glückseligmachenden Dingen voller Lust erneut hinzugeben, die zu bemerken sie bereits beim ersten Mal in der Lage gewesen waren.

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